Am 31. Januar 2026 fand das FIBER Seminar «Laichzeit! – Monitoring, Besatz & Aufwertungen – Wo sollen wir ansetzen?» in Olten statt. Dieses Jahr stand die natürliche Fortpflanzung der Flussfische im Zentrum.
Seit 15 Jahren unterstützen zahlreiche Fischerinnen und Fischer das FIBER-Programm Laichzeit. Die FIBER nahm dies als Anlass, ein Seminar zum Thema zu organisieren. Expertinnen und Experten aus der Forschung und der Praxis stellten den Wissens- und Erfahrungsstand vor. Im Folgenden werden die wichtigsten Botschaften und Erkenntnisse des Tages kurz zusammengefasst.
Amandine Bussard (FIBER)
Das FIBER Programm läuft nun seit mehr als 15 Jahren und wird von Kantonen, Verbänden und Ökobüros zunehmend genutzt. Durch mehr Koordination zwischen Kanton, Verband und Fischereivereinen liesse sich der Nutzen noch weiter steigern. Die FIBER wird das erfolgreiche Projekt auf jeden Fall weiterführen und aufgrund eurer Rückmeldungen verbessern. Die FIBER hat einen Bericht veröffentlicht zu den ersten Resultaten. Weitere dürften folgen.
Christoph Hauer (BOKU)
Von Christoph Hauer hörten wir, dass man für gelungene Aufwertungen von Fliessgewässern immer den Gewässertyp sowie die Kiesverfügbarkeit und die Transportkapazität mitbeachten muss. Nicht jedes Gewässer ist ein wildes Auengewässer oder ein Bergbach mit Abfolgen von Abstürzen und Pools. Zudem hat nicht jedes Gewässer einen Kiesüberschuss. Gerade heute haben viele Gewässer auch einen Geschiebemangel. Aufweitungen des Flussbetts sind in diesem Fall nicht unbedingt die beste Lösung, da in solchen Fällen die Dynamik fehlt, um gute Laichgebiete und Strukturvielfalt zu bilden. Auch beim Einbringen von Strukturen in ein Gewässer sollte die lokale Erscheinung des Gewässers mitbeachtet werden. Während einige Bäche natürlicherweise viel Totholz bringen würden, können es bei Gewässern mit Gletschereinfluss auch grosse Felsen oder Steinblöcke sein. Welchem Typ entsprechen deine Fischgewässer? – Finde es heraus mit der untenstehenden Abbildung.
Morphologie-Typen der Fliessgewässer (Patt, 2024)
Aurélie Rubin (La Maison de la Rivière)
Aurélie Rubin stellte ein Projekt des Maison de la Rivière zum Monitoring und zur Aufwertung des Studiengewässers, dem Boiron de Morges, vor. Die Fischpopulationen des Boiron de Morges wird seit rund 30 Jahren überwacht. Es findet kein Fischbesatz statt. Angeschaut wurde sowohl die Naturverlaichung, die Wanderung als auch die Bestände in den verschiedenen Abschnitten. In dem Projekt sieht man sehr eindrücklich den Wert von Aufwertungen, Verbesserungen der Fischgängigkeit sowie auch die Stärke von Seeforellen in der Wiederbesiedelung eines Baches nach Störungsfällen.
Jakob Brodersen (Eawag)
Die Naturverlaichung beeinfluss direkt die Populationsstrukturen unserer Fische. Die natürliche Selektion sorgt dabei dafür, dass sich die stärksten Fische am meisten Nachkommen sichern können. Gerade in Seeforellen-Gewässern erscheint es laut Forschung wichtig, dass teilwandernde Forellenpopulationen sich ungestört entwickeln können. Je nach Fliessgewässer sind die Zusammensetzungen aus Bach- und Seeforellen damit sehr unterschiedlich und an die lokalen Bedingungen angepasst. Ein Besatz mit standortfremden Seeforellen oder auch ein Besatz mit Bachforellen in ein Seeforellengewässer kann dieses Gleichgewicht verändern.
Nicolas Achermann (Ökobüro Fischwerk)
Der Fischbesatz ist seit jeher ein umstrittenes Thema. Mittlerweile gibt es aber zahlreiche Untersuchungen zum Besatzerfolg in Fliessgewässern. Nicolas Achermann hat verständlich vorgestellt, wann Besatz funktioniert und wann nicht. Entscheidend ist primär die Lebensraumkapazität eines Gewässers. Wenn die Naturverlaichung funktioniert, wird diese Kapazität zumeist ausgenutzt. Ein Besatz kann die Kapazität nicht verändern. Dies muss mittels Verbesserungen des Lebensraumes geschehen. Der Besatz wird wohl in Zukunft in den Fliessgewässern vor allem noch bei Wiederansiedelungen (zum Beispiel im Fall des Lachses) eine tragende Rolle spielen.
Adrian Aeschlimann (SKF/SFV)
Die Zukunft der Salmoniden ist wichtig sowohl für die Fliessgewässer als auch für das Fortbestehen der Fischerei in den Bächen und Flüssen. Adrian Aeschlimann stellte das Projekt Zukunft Salmoniden Schweiz vor. Es sucht praktikable Lösungen für die Unterstützung der Kaltwassserfische. Im Blick sind dabei die Themen Laichgebiete, Fischnährtiere, Temperaturen, Totholz, Winterhochwasser & Murgänge sowie die fischereiliche Attraktivität. Erste Resultate zu den Kiesschüttungen stimmen zumindest teilweise zuversichtlich für die Zukunft.
Michael Stoll (Aktionsgruppe Seeforelle OW)
Als Repräsentant des Fischervereins Obwalden und der Aktionsgruppe Seeforelle stellte Michael Stoll die Massnahmen zur Förderung der Seeforelle im Kanton Obwalden vor. Die Naturverlaichung der Seeforellen wird dabei über die Ermöglichung des Zugangs in neue Bachabschnitte und die Verbesserung und Schaffung von Laichplätzen gefördert. Zudem wird die Entwicklung mit der Kartierung und Dokumentation von Laichgruben und Laichtieren überwacht und sichtbar gemacht. Wir freuen uns, dass das Projekt passioniert weitergeführt wird.
Nicolai Meier (Kanton ZH)
Die Fischereiverwaltung des Kantons Zürich stellte das neue Managementkonzept (Management 26+) vor. Im Zentrum des Konzepts steht ein Besatzstopp in Bachforellengewässern sowie eine Überwachung der Seeforellen-Bewirtschaftung. Die Naturverlaichung wird mittels Punktbefischungen kontrolliert. Dank dem Einbezug der Pächterinnen und Pächter, sowie der Kontrolle der ergriffenen Massnahmen tragen die Fischerinnen und Fischer das neue Managementkonzept mehrheitlich mit.
Anmerkung der FIBER zu den Referaten:
Gerne hätten wir euch am Seminar mehr Inhalte zu Nasen, Barben, Schneidern & Co. präsentiert. Leider ist es so, dass es abgesehen von den Salmoniden immer noch sehr wenige Daten zur Naturverlaichung gibt. Dass die Erhebung von Laichgebieten auch für Nasen und Barben nicht unmöglich ist, zeigt der Kanton Aargau. Wir hoffen, dass es in Zukunft mehr Projekte in diese Richtung gibt, und werden das Ganze auf jeden Fall weiterverfolgen.
Das Podium
Das Podium von links nach rechts: Bettina Walch (Moderation), Stefan Wenger (SFV), Christoph Hauer (BOKU), Jakob Brodersen (Eawag), Nicolai Meier (Kanton ZH), Michael Stoll (FV Obwalden)
Bei der Podiumsdiskussion des Seminars gab das Thema Besatz erstaunlich wenig zu reden. Es scheint, dass die Daten zum (fehlenden) Erfolg von Fischbesatz in Fliessgewässern eine klare Sprache sprechen. Auch Jakob Brodersen sprach sich klar für die Naturverlaichung und für mehr natürliche Anpassung aus. Die Gene für erfolgreiche Populationen werden so von den Fischen selbst ausgesucht. Vor allem in Fällen von Initialbesatz zur Wiederansiedelung einer Art, zum Beispiel dem Lachs, wird der Besatz in Fliessgewässern auch in Zukunft eine grosse Rolle spielen, meinte Nicolai Meier. Eine Frage, welche noch zu klären ist, wäre vielleicht, welche Fälle als Initialbesatz gelten. Ein Bach mit jährlichen Winterhochwassern oder Murgängen vielleicht? Stefan Wenger gab zusätzlich noch zu Bedenken, dass auch Probleme in der Fischgängigkeit allenfalls mit Fischbesatz ausgeglichen werden könnten, um den Zugang zu bisher nicht besiedelten Abschnitten für neue Arten zu ermöglichen. Michael Stoll fügte an, dass bereits heute, einige Fliessgewässerstrecken keine Forellen- und Äschengewässer mehr sind. Vor allem in den Unterläufen besteht somit die Gefahr, dass man Populationen verliert. Dass Massnahmen in der Bewirtschaftung gut durchdacht und konkret überwacht werden sollen, dabei waren sich alle einig.
Zu diskutieren gab unter anderem die Zukunft. Christoph Hauer merkte an, dass immer noch sehr wenige Modellierungen und Vorhersagen gemacht werden in der Fischerei. Dies könnte ein wichtiges Werkzeug sein für die nachhaltige Fischerei. Stefan Wenger, legte auch ein Votum ein für mehr Daten zum Fangaufwand der Anglerinnen und Angler, so dass man in Zukunft auch den Einfluss der Angelfischer auf die Menge der Laichtiere in einem Gewässer besser abschätzen kann. Generell zeigt sich weiter immer wieder, dass der Einbezug der Fischerinnen und Fischer und der Dialog über die Bewirtschaftung sehr wichtig ist.
Einige Fragen sind nach wie vor vorhanden. So scheint die Aufwertung von Gewässern nicht in jedem Fall garantiert. Mit welchen Schritten oder Strukturen können wir Erfolge ausweisen? Aus dem Kreis der Referenten kamen folgende Vorschläge: Gewässer, falls möglich, sich selbst entwickeln lassen und nicht eingreifen. Die Bevölkerung besser informieren, um Widerstand gegen Projekte zu reduzieren. Prozesse schützen, damit die Gewässer funktionieren können; dazu gehört zum Beispiel der Geschiebetransport oder die Möglichkeit für Hochwasser. Manchmal braucht es Überzeugungsarbeit oder sogar Kampf, zum Beispiel für die Fischgängigkeit. Auch dem Grundwasser wird teilweise zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Grundwasser puffert Hochwasserspitzen, kühlt Gewässer im Sommer und gibt Wasser ab bei Trockenheit.
Zum Schluss der Diskussion konnte jede und jeder noch ein Votum abgeben, was wir ändern sollten, um die Naturverlaichung bestmöglich zu unterstützen. Folgende Punkte wurden genannt: Probleme proaktiv angehen, jeder sollte mithelfen. Wir müssen die Vielfalt der Fischpopulationen bewahren. Die Kantone müssen die Gesetze befolgen und manchmal auch sich selbst hinterfragen. Vielleicht sollten wir die Naturköderfischerei kritisch hinterfragen. Seen werden mit dem Klimawandel für die Fische und die Fischerei wichtige Anker sein; wir sollten diese daher nicht vernachlässigen. Vielleicht wäre dies ein Thema für ein weiteres Seminar.
Dank
Ein grosser Dank geht an alle Referentinnen und Referenten für ihre Beiträge und das Podium, an das Team vom ARTE, an Sulpice Piller für die Übersetzung, an Bettina Walch für die Moderation der Diskussion, an Norbert Hunz für das Laichgrubenmodell, an die Begleitgruppe der FIBER sowie an Aqua viva für die tolle Seminarbroschüre. Vielen Dank ebenfalls an alle Teilnehmenden für das Interesse. Wir freuen uns bereits auf das nächste Seminar.
Falls du noch Anregungen hast zum aktuellen oder zu zukünftigen Seminaren, nehmen wir Gedanken gerne via fiber@eawag.ch entgegen.

Das Laichgrubenmodell von Norbert Hunz (Kartierer an der Ergolz)
Weitere Infos
Alle Kursunterlagen sowie das Aqua viva-Seminarheft findet ihr hier
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