Newsletter 03/2011
Interessierte Hochzeitsgäste
„Die
Fortpflanzung der Bachforelle - Laichgruben erkennen,
kartieren und vermessen“ - so lautete der Titel des dritten FIBER-Workshops am
12. und 13. November 2011. Rund 70 Teilnehmer nutzten die Angebote in Sursee
und Fribourg. Sie wurden belohnt - das Wetter und die
Forellen spielten mit.
Im Oktober beginnt in den meisten Gewässern der Schweiz die Laichzeit der Bachforellen. Für die Weibchen eine kräftezehrende Angelegenheit: Mit der Schwanzflosse schlagen sie sogenannte Laichgruben in den Kies, um dort später ihre Eier hineinzulegen. Eben jene Laichgruben waren Gegenstand des diesjährigen FIBER-Workshops. Manuel Hinterhofer, einer der beiden Kursleiter und Geschäftsführer des Österreichischen Fischereiverbands, erklärte zum Auftakt des deutschen Workshops in Sursee: «Laichgruben geben uns Hinweise, ob und wie gut die natürliche Fortpflanzung in einem Gewässer funktioniert. Mit ein bisschen Übung sind sie gut zu erkennen und lassen sich leicht zählen und vermessen. Wenn man zusätzlich im Frühjahr die Brütlinge im Gewässer beobachtet oder zählt, ist das eine Alternative zur Elektrofischerei. Die gewonnen Informationen helfen dabei, Entscheidungen für Bewirtschaftungs- oder Schonmassnahmen zu treffen und zu begründen.» Der Workshop wurde einmal auf Deutsch an der Enziwigger und am nächsten Tag auf Französisch an der Petite Sarine durchgeführt.
Alles über die Bachforelle
Der Morgen begann mit Informationen über Biologie, Ökologie und Fortpflanzung der Bachforelle. Der zweite Kursleiter, Gewässerökologe Georg Holzer beeindruckte mit enormem Fachwissen und manch einer staunte nicht schlecht, wie viel es über diesen vermeintlich vertrauten Fisch noch zu lernen gab.
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Abb.1: Der theoretische Teil des Kurses fand im Hotel Hirschen in Sursee statt.
In einem dritten Teil stellte Holzer die Methode zur Kartierung der Laichgruben vor, die dann später im Feld an der Enziwigger angewendet wurde. Alle Unterlagen finden Sie am Ende des Textes. Nach einem ausgiebigen Mittagessen im Hotel Hirschen ging es dann via Car weiter an die Enziwigger bei Willisau.
Laichgruben soweit das Auge reicht
Bei der Ankunft am Gewässer wurde schnell klar: Die Forellen hatten ganze Arbeit geleistet. Die Enziwigger war übersäht mit Laichgruben. Zur grossen Freude der Teilnehmer waren einige sogar noch mit Fischen besetzt.
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Abb.2: Laichgrube in der Enziwigger (links). Zwei Bachforellen (Weibchen unten, Männchen oben) auf dem Laichplatz (rechts).
Es liess sich bestens beobachten, wie sich die sonst eher scheuen, fast unsichtbaren Bachforellen dem Liebespiel hingaben. Dabei wurde deutlich, dass auch die Männchen vor der Paarung viel zu tun haben: So sind sie ständig damit beschäftig, ihre Nebenbuhler vom Laichplatz zu vertreiben.
Nachdem alle Teilnehmer dieses beeindruckende Naturschauspiel geniessen durften, stellten Georg Holzer und Manuel Hinterhofer die Methode zur Laichplatzkartierung vor. Diese kann mit relativ einfachen Hilfsmitteln, wie Messband, Messlatte, Wathosen und Kompass zu zweit am Bach angewendet werden. Sie liefert verlässliche Informationen über Grösse, Tiefe und Anzahl der Laichgruben in einem Gewässer. Die Daten können wenn möglich noch anhand von GPS-Koordinaten und Fliessgeschwindigkeiten ergänzt werden.
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Abb.3: Georg Holzer (links) beim Vermessen einer Laichgrube. Manuel Hinterhofer (rechts) beim Notieren der Daten.
Am Ende des Workshops hoben die beiden Kursleiter schließlich noch eine Laichgrube aus, um zu veranschaulichen, wie man bei Bedarf die Eier möglichst behutsam und effizient bergen kann. „Das kann zum Beispiel notwendig sein, wenn überprüft werden soll, ob es sich um „echte“ oder „falsche“ Laichgruben handelt“, sagt Holzer. Falsche Laichgruben werden zwar vom Weibchen geschlagen, aber wegen irgendeinem störenden Faktor ohne Eiablage wieder verlassen.
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Abb.4: Manuel Hinterhofer und Georg Holzer beim Ausheben einer Laichgrube (links). Zwei geborgene Eier in der Petrischale (rechts).
Einfache und günstige Methode
Die zwei österreichischen Experten konnten mit einem überzeugenden Konzept und ihrem umfangreichen Praxiswissen auf
eindrückliche Weise zeigen, dass es keiner grossen Eingriffe in die Natur
bedarf, um die natürliche Reproduktion der Bachforellen in einem Gewässer zu
beobachten und über die Jahre zu verfolgen. Mit der Laichplatzkartierung steht
den Anglern eine gute, einfache und günstige Methode zur Verfügung, um mehr
über ein Gewässer und seine Forellen zu erfahren.
ALLE UNTERLAGEN DES KURSES FINDEN SIE HIER:
Lektion 1: Biologie und Ökologie der Bachforelle
Lektion 2: Die Fortpflanzung der Bachforelle
Lektion 3: Laichplatzkartierung und Vermessung
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FIBER Seminar an der FISCHEN JAGEN SCHIESSEN - Die neue Gewässerschutzgesetzgebung: Wie geht es weiter?
18.Februar 2012, 13:30 – 17:00 Kongresszentrum BERNEXPO.
Seit einem Jahr ist das neue Gewässerschutzgesetz nun in Kraft. Die Änderungen wurden als indirekter Gegenvorschlag zur Volksinitiative „Lebendiges Wasser" vom Parlament im Dezember 2009 beschlossen. Die Kantone sind unter anderem neu verpflichtet:
- Revitalisierungen strategisch zu planen und umzusetzen und den Raum festzulegen, der notwendig ist, um die natürliche Funktion der Gewässer und den Hochwasserschutz zu gewährleisten
- die Beeinträchtigung von Schwall-Sunk und Geschiebehaushalt zu mindern
- die Fischgängigkeit wiederherzustellen
Für die Finanzierung stehen jährlich rund 110 Millionen Franken zur Verfügung.
Es ist also höchste Zeit, aktiv zu werden: Für die kantonalen Fischereiverbände und -Vereine bietet sich in den nächsten Jahren die einmalige Gelegenheit, sich in diesen Prozess einzubringen und die Kantone mit ihren Gewässerkenntnissen tatkräftig zu unterstützen. Wer sich hier aktiv und mit guten Argumenten bemüht, kann erreichen, dass der eigene Bach bald mit Geldern der öffentlichen Hand revitalisiert wird.
Doch was gibt es überhaupt für Möglichkeiten den Schwall-Sunk zu beseitigen und die Fischgängigkeit wiederherzustellen? Woher nimmt man den Raum für die Fliessgewässer? Wie sind die Erfahrungen im Ausland? Wie können sich die Angelfischer, Verbände und Vereine an diesem wichtigen Prozess beteiligen? Diese und weitere Fragen werden in den drei Referaten zu den drei Kernelementen der neuen Gewässerschutzgesetzgebung diskutiert. Um das Seminar abzurunden, gibt Erich Staub (ehemals BAFU) einen Überblick über 30 Jahre Fischerei in der Schweiz. Das Seminar ist zweisprachig: Die Vorträge werden auf Deutsch (dt) oder Französisch (fr) gehalten und ebenso wie die Diskussionen simultan in die jeweils andere Sprache übersetzt.
Programm vom 18.2.2012
13:30 – 14:15 Revitalisierung: Willy Müller, Fischereiinspektorat BE / Renaturierungsfond BE (dt)
14:30 – 15:15 Schwall-Sunk: Andreas Melcher, BOKU (Universität für Bodenkultur Wien, AT) (dt)
15:30 – 16:15 Fischgängigkeit: Philippe Baran, ONEMA (Office national de l'eau et des milieux aquatiques, FR) (fr)
16:15 – 17:00 Lachs, Regenbogenforelle, Kormoran, ... Ausblick nach 30 Jahren Fischerei, Erich Staub (dt)
Die Tagung ist offen
gestaltet - je nach Interesse ist der Besuch aller oder auch nur einzelner
Referate möglich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich - die Teilnahme ist
kostenlos.
Kurzinfos, Links und Veranstaltungen:
FIBER Newsletter - das Jahrheft
Anfang
2012 werden alle FIBER Newsletter der Jahre 2010-2012 zusammen in einem Heft
als Druckversion erscheinen. Mehr dazu in der nächsten Newsletter (01/2012).
Buchtipp: Der Lachs - Ein Fisch kehrt zurück
| Der Rheinlachs ist wieder da! Vor zwanzig Jahren noch Utopie, heute Wirklichkeit: Der König der Fische schwimmt mittlerweile wieder bis nach Straßburg. Von den historischen Laichgebieten in den Alpenflüssen bis zur Rheinmündung und der Nordsee begleitet dieses Buch den Lachs während seines erstaunlichen Lebenszyklus, beleuchtet die Ursachen für sein Aussterben im Rhein und schildert die bereits eingeleiteten Maßnahmen für seine Rückkehr. Ausserdem wird beschrieben, wie die Lebensräume revitalisiert werden müssen, damit die langfristige Wiederansiedlung der Lachse gelingt. Sachkundig und fundiert porträtieren die Autoren – Fischereiexperten, Biologen und ein Journalist – den Lachs und seine Geschichte. Interviews mit Beteiligten und kulinarische Trouvaillen ergänzen das reich bebilderte Buch. Das Buch ist für 49.- CHF unter www.haupt.ch erhältlich. |
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PEAK-Kurs - Erfolgreiche Revitalisierung von Fliessgewässern
| Die vom Parlament im Dezember 2009 beschlossene Förderung der Revitalisierung und Reduktion der negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung stellt die Praxis vor grosse Herausforderungen. Im Kurs werden Konzepte zu Ablauf und Realisierung von Revitalisierungsprojekten und deren Erfolgskontrolle diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht und ein Ausblick auf zusätzliche Entscheidungshilfen gegeben, die in aktuellen Projekten erarbeitet werden. Mehr Informationen HIER. |
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